Klare Worte sind in der heutigen Zeit bei Fußballprofis selten geworden. Nicht so bei Marco Reus, der seine Wechselabsichten zum FC Bayern klipp und klar darlegt.
"Ich? Zu den Bayern? Nie! Mich werden Sie nicht beim FC Bayern erleben. Das verspreche ich", sagte der Mittelfeldspieler von Tabellenführer Borussia Dortmund der FAZ und ergänzte: "Außerdem bin ich bald 30, die wollen doch ihre Altersstruktur auch verändern."
Die Begründung liegt aber nicht nur am wohl nicht vorhandenen Interesse des deutschen Rekordmeisters an Marco Reus, sondern auch an dessen Zufriedenheit mit dem Hier und Jetzt.
"Wenn man mich auf die Waage stellen würde, dann wäre ich komplett auf Mitte", beschrieb der 29-Jährige seine momentane Ausgewogenheit in jeglicher Hinsicht. "Mich zieht nichts nach rechts und nichts nach links. Ich bin komplett zufrieden, wie es derzeit läuft, sportlich und privat."
Und Reus, der beim BVB zwar ausgebildet worden war, aber erst über die Umwegen Ahlen und Mönchengladbach in die erste Mannschaft vorstieß, ergänzte: "Heute habe ich in Dortmund vollkommen das Gefühl, zu Hause zu sein. Es gibt nichts, was es woanders gibt, was ich hier vermisse. Das macht mich stolz, glücklich und dankbar."
Das war nicht immer so. Schließlich fiel der heutige BVB-Kapitän auch als Fahrer ohne Führerschein auf. Einen Fehler, den er "nicht totschweigen" wolle und zu dem er auch steht.
"Ich wusste schon damals, noch bevor es rauskam, dass das ein großer Fehler war, aber ich habe das dann doch immer von mir weggeschoben. Ich dachte und hoffte: Es wird sich irgendwann von allein lösen, es wird schon irgendwie gehen."
Ende 2014 kam es raus und der Nationalspieler musste 540.000 Euro Strafe zahlen. Das Bild, das damals von ihm entstand sei "völlig falsch" gewesen, erinnert sich Reus.
"Daran bin ich natürlich einzig und allein selbst schuld. Zum anderen, und für mich noch schlimmer, waren die Folgen für meine eigene Familie, die mit meinem Fehler konfrontiert wurde."
Rund anderthalb Jahre später bestand er dann die Fahrprüfung ist seitdem ganz legal auf den Straßen unterwegs. "An den negativen Dingen wächst man mehr als in Zeiten, in denen die Leute einem nur auf die Schulter klopfen und sagen: 'Super gemacht!'" Diese Affäre gehöre einfach zu seinem Entwicklungsprozess dazu.
Mit dem Auftakt in die Rückrunde bei RB Leipzig wird es endlich wieder sportlich. Nach der starken Hinrunde und der Tabellenführung für Borussia Dortmund will Reus, der in 24 Pflichtspielen 14 Tore schoss und neun vorbereitete, so erfolgreich weitermachen.
Dabei helfe ihm auch mal etwas Abstand zum Beruf. "Wissen Sie, was mir dabei ehrlich gesagt auch hilft? Auch mal über Dinge nachzudenken, die nicht nur den Fußball betreffen", gab er zu.
Aber sein Traum hat dann doch wieder ganz mit Fußball und der Meisterschaft zu tun: "Mit Dortmund als Dortmunder Junge das Ding irgendwann einmal hochzuhalten, das wäre brutal schön, gigantisch, ein Traum."